Lokale Künstlerin wird vorgestellt!
Leise Zwiesprache mit Natur und Meer
Von Betina Arndt
* Marion Salerno wurde 1981 in Weinheim geboren und lebt heute in Grasellenbach. Ihr Vater stammt aus Italien, Ihre Mutter aus Deutschland
*Sie hat zwei berufe erlernt: Friseurin und Kauffrau im Einzelhandel. Aufgrund einer Krankheit ist sie mittlerweile erwerbsunfähig.
*Ihr Sohn unterstützt sie beim malen. Auch ihr Partner ist eine große Hilfe - als Chauffeur, Roadie, Bodyguard, Fan und vieles mehr.
*Am Sonntag stellte Salerno drei ihrer Werke in Mörlenbach bei der Ausstellung von Ivonne Mohrhain-Karl aus.
*Landrat Christian Engelhardt eröffnet am morgigen Mittwoch die Vernissage von Marion Salerno und stellt ihre Werke im Landratsamt der öffentlichkeit vor.
*Ihre Werke sind unter www.samarkunst.de zu sehen.
Persönlich: Marion Salerno verarbeitet in Ihrer Kunst den gesellschaftlichen Druck, stets perfekt sein zu müssen -und setzt ihm ihre eigene Definition von Schönheit entgegen.
Von Betina Arndt
Zur Künstlerin
Gras-Ellenbach. Ihre Malerei ist leise und doch voller Wucht. Marion Salerno zeigte 2022 erstmals ihre Werke öffentlich. Innerhalb kurzer Zeit hat sie eine künstlerische Sprache entwickelt, die sich gegen Oberflächlichkeit stellt und den Blick auf das Wesentliche lenkt: auf die Farben und Formen.
Ihre Bilder erzählen von Freiheit und Sehnsucht, von Licht und Stille, vom Meer als Rückzugsort und Sinnbild innerer Weite. Sie laden dazu ein, Schönheit jenseits des Gewohnten zu entdecken. Eine Schönheit die für sie nicht glatt sein muss, sondern eher wahrhaftig-ehrlich.
MENSCHEN IM ODENWALD
Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht die Künstlerin über ihren Weg von den ersten Ausstellungen bis zu den jüngsten Serien, die Titel tragen wie Winter" oder Das Flüstern der Gezeiten". Außerdem erzählt Salerno, wie Farbe und Gefühl bei ihr zusammenspielen. Und darüber, warum Kunst für sie viel mit Haltung zu tun hat.
Frau Salerno, Sie haben Ihre Bilder 2022 erstmals öffentlich gezeigt. Was war damals der Auslöser, diesen Schritt zu wagen?
Marion Salerno: Da ich schon immer in einem Haus mit Meerblick wohnen wollte - was in Grasellenbach nicht möglich ist-, habe ich mir ein Fenster mit Blick auf das Meer gemalt. Bei uns im Ort singe ich im Singkreis Grasellenbach. Dort zeigte ich einer Sängerkollegin Fotos meines Bildes. Sie war so begeistert, dass sie bei der nächsten Vorstandssitzung vorgeschlagen hat, beim Chor Fest eine Ausstellung meiner Bilder zu machen. Das war total überraschend für mich und man musste mich erst überreden. Heute bin ich froh und dankbar, da ich viel Lob für meine Bilder bekommen habe. Das hat mich motiviert, dranzubleiben
Wie hat sich seitdem Ihre künstlerische Reise verändert?
Salerno: Ich habe an einigen Malkursen teilgenommen. Da ich gesundheitlich eingeschränkt bin, nehme ich zum Teil auch an Online Kursen teil. Dadurch habe ich auf jeden Fall mehr Selbstbewusstsein entwickelt. Auch an Malwettbewerben habe ich teilgenommen. Hier im Ort habe ich mehrere Vernissagen veranstaltet - mal alleine, mal mit einer befreundeten Künstlerin. Auch in einem Blumencafé in Darmstadt habe ich zusammen mit der Musikerin Sabine Susanne Guthardt-Koca eine Vernissage veranstaltet.
Ihre Werke wie „Schöne Plätze“ oder „Farbe – das Leben ist grau genug“ stellen sich ganz bewusst gegen Schönheitswahn und Oberflächlichkeit. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?
Salerno: Als Jugendliche war ich kräftig. Jeder weiß, wie stark Mobbing in diesem Alter in Schulen verbreitet ist. Später war ich eine Zeit lang sehr schlank. Eigentlich sollte man denken, dass die Kommentare, was das Aussehen angeht, aufhören. Falsch gedacht. Ich finde es einfach schade, dass dieser ganze Schönheits- und Schlankheitswahn so vielen Menschen das Leben erschwert. Dass man nicht einfach so akzeptiert wird, wie man ist, die Medien immer wieder die Aufmerksamkeit auf die perfekten Menschen mit perfektem Aussehen lenken. Deshalb weigere ich mich, dies mitzumachen. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Schönheit der Natur. Auf das, was wirklich wichtig ist.
Außerdem ist mein Motto “Don’t give up”. Damit möchte ich allen Mut machen, nicht aufzugeben, egal welche Steine das Leben einem in den Weg legt.
"DASS MAN EIN OFFENES HERZ HAT. DAS IST VIEL WICHTIGER ALS DAS AUSSEHEN UND FÜR MICH WAHRE SCHÖNHEIT
DIE KÜNSTLERIN MARION SALERNO UND WIE SIE ÜBER DEN SCHÖNHEITS- UND SCHLANKHEITSWAHN DENKT.
Was ist für Sie persönlich „echte Schönheit“ – und wie versuchen Sie, sie mit dem Pinsel sichtbar zu machen?
Salerno: Schauen Sie sich um, die Natur steckt voller Schönheit und Farbe.
Die wahre Schönheit eines Menschen ist nicht im Außen. Mir ist es wichtig, dass man sich vernünftig unterhalten kann, den anderen respektiert und freundlich ist. Dass man ein offenes Herz hat. Das ist viel wichtiger als das Aussehen und für mich wahre Schönheit.
Stellen wir uns vor, wir sind bei Ihnen im Atelier in Grasellenbach. Wie entsteht bei Ihnen ein Bild? Bei Kaffee und Kuchen oder absoluter Ruhe? Folgt es einer konkreten Idee oder beginnt alles mit einer Farbe, die auf blütenweißer Leinwand aufgetragen wird?
Salerno: Mein Atelier ist eine kleine Ecke in unserem Wohnzimmer. Meist mache ich mir über meine Bilder keine Gedanken. Sie entstehen einfach. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich mitten beim Essen, Kaffee oder beim Gespräch ein Bild vor mir sehe und dies auf die Leinwand bringe. Manchmal sehe ich ein schönes Naturfoto und möchte es malen. Natürlich frage ich vorher, ob ich es malen darf. So wie es bei dem Gemälde für Herr Engelhardt geschehen ist. Er hatte ein Foto auf Instagram gepostet, das seine Tochter fotografiert hat, ich habe es gemalt und ihm geschenkt.
Wer Ihre Online-Galerie betritt, taucht ein in eine stille Zwiesprache mit Natur und Meer. Welche Rolle spielt diese Verbindung in Ihrer Malerei – ist sie Rückzugsort, Sehnsuchtsraum oder Ausdruck von Freiheit?
Salerno: Ich denke, es ist eine Mischung aus allem. Aber auch eine Flucht aus der Realität. Weg von Zukunftsängsten, Angst vor Gewalt und vielem mehr. Für mich ist es auch eine Therapie. Ich habe MS und das Malen und Träumen hilft mir, leichter durch den Tag zu kommen.
Die Serie „Winter“ zeigt Ruhe und Licht, statt nur Kälte. Ist das für Sie eine Form der Gegenrede zu gängigen künstlerischen Klischees?
Salerno: Ja, irgendwie schon. Auch in der kalten, dunklen Jahreszeit gibt es Licht und Farbe. Man muss nur genau hinschauen.
Sie arbeiten mit Acryl- und UV-Farben. Gerade in Werken wie „Das Flüstern der Gezeiten“ fühlt sich der Betrachter beinahe hineingezogen in ein Spiel aus Licht und Tiefe. Es ist fast so, als würde die Farbe selbst erzählen.
OZ-Interviewfragen an die Grasellenbacher Künstlerin Marion Salerno, erstellt von Bettina Arndt (Und welche Möglichkeiten geben Ihnen diese Materialien, Ihre Vorstellungen umzusetzen?)
Salerno: Für meine Bilder benutze ich verschiedene Materialien wie Acryl, UV Farbe, Ölfarbe, Strukturpaste,
Pouring, Aquarilics, Resin und vieles mehr. Ich bin experimentierfreudig und nehme gerade das, worauf ich Lust habe. Oft lasse ich mich von meiner Inspiration leiten, manchmal merke ich während des Malens, dass ein anderes Material gut passen könnte.
ICH HABE MULTIPLE SKLEROSE, UND DAS TRÄUMEN UND MALEN HILFT MIR; LEICHTER DURCH DEN TAG ZU KOMMEN.
MARION SALERNO ÜBER IHRE ERKRANKUNG
Ihre Bilder sind zwar ruhig, aber keinesfalls passiv. Es scheint eher so, als würden sie leise Geschichten erzählen. Schreiben Sie diese Geschichten vorher auf oder entstehen sie erst während des Malprozesses?
Salerno: Tatsächlich ist die Geschichte “Das Flüstern der Gezeiten” Teil eins beim Malen des Bildes entstanden. Das zweite Bild dieser Serie “Das Logbuch” habe ich dann der Geschichte angepasst. Es sind noch weitere Teile geplant. Evtl. sogar ein Buch. Ich bin gerade auf der suche nach einem einer Autor oder einer Autorin. Falls sich jemand angesprochen fühlt, soll er sich gern bei mir melden.
Kunst gilt oft als Frage des Talents. Bei Ihnen hört man zwischen den Zeilen auch Begriffe wie Übung, Entwicklung und Herausforderung oder Dranbleiben, Wachsen, Ausprobieren heraus. Wie viel davon steckt täglich in Ihrem Pinselstrich?
Salerno: Auch hier hält meine Krankheit mich oft vom Malen ab, ansonsten würde ich viel mehr malen. Das Malen gehört für mich dazu. Selbst im Urlaub habe ich Farbe, Pinsel, Staffelei und Leinwand dabei. Nicht mal ein Aufenthalt im Krankenhaus hindert mich daran. Sobald ich in der Lage bin zu malen, mache ich das. Ich finde es wichtig, sich weiterzubilden. Man entdeckt doch immer neue Techniken und entwickelt sich weiter. Man lernt nie aus.
Ihrer Bilder hängen im Büro von Landrat Christian Engelhardt. Nächste Woche ist eine kleine Vernissage geplant. Wie erleben Sie es, wenn Ihre Kunst auch institutionell wahrgenommen wird?
Salerno: Es hängen elf Bilder verschiedener Serien dort. Das macht mich glücklich und stolz. Ich bin Landrat Christian Engelhardt so unfassbar dankbar.
